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Vaterschaftsgutachten / Abstammungsanalysen
Forensische Analytik
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FORENSISCHE ANALYTIK

Manche biologische Spuren sind extremen Umwelteinflüssen ausgesetzt: chemische, biochemische, physikalische und mikrobielle Faktoren greifen dann auch die eigentlich sehr stabile DNA an. Je länger solche Faktoren ihre Wirkung ausüben können, desto mehr ist die DNA fragmentiert. Sie ist schließlich in so kleine Stücke zerlegt worden, dass die übliche DNA-Typisierungsmethode, also die Mikrosatellitenanalyse nur noch ausnahmsweise funktioniert. Für die meisten heute verwendeten Mikrosatelliten benötigt man nämlich DNA-Fragmente mit einer Länge von mehreren hundert Basenpaare. Spurproben mit einer stark geschädigten DNA-Struktur gehören vielleicht nicht zum Alltag der Ermittlungsbehörden, sind jedoch immer wieder die einzige potenzielle Hilfe zur Identifizierung eines Täters oder auch eines Tatopfers. Im Prinzip bieten sich hier drei unterschiedliche Lösungen an. Dies sind:.

1. Das Verkürzen der Mikrosatelliten erhöht die Wahrscheinlichkeit dafür, dass man auch stark zersetztes Probenmaterial noch typisieren kann. Die Analyse von Mikrosatelliten ist allerdings letztlich ein relativ komplexer Vorgang, der auch bei verkürzten Mikrosatelliten komplikationsanfällig bleibt. Der große Vorteil der Methode ist: Schon 10 Mikrosatelliten liefern einen zur Personenidentifizierung enorm aussagefähigen genetischen Fingerabdruck.

2.SNP ist die Abkürzung für den englischen molekularbiologischen Begriff „Single Nucleotide Polymorphism“. Jeder dieser SNP-Marker hat im Gegensatz zum polyallelen Mikrosatelliten nur 2 Allele. Da es sich dabei um den Austausch einer einzelnen Base handelt, ist hier die Mindestgröße der analysierbaren DNA-Fragmente praktisch beliebig klein. Außerdem ist die Analysenreaktion im Vergleich zum Mikrosatelliten einfach. Der Nachteil ist die hohe Anzahl von ca. 50 SNPs die man benötigt, um die Aussagekraft eines der üblichen Mikrosatellitensätze zu erreichen.

3. Eine vom biologischen Prinzip her kaum mehr zu steigernde Empfindlichkeit erreicht man mit der Analyse des mitochondrialen Genoms. Fast jede Zelle eines höher entwickelten Lebewesens birgt zwei ganz unterschiedliche Quellen von DNA: Im Zellkern befindet sich das eigentliche Genom – in einem außerordentlich hohen und komplexen Organisationsgrad. Von jedem Gen, von jeder DNA-Sequenz gibt es im Zellkern eine mütterliche und eine väterliche Kopie. Den Raum zwischen Kern und Zellmembran nimmt das Cytoplasma ein; in ihm befinden sich je nach Zelltyp hunderte bis zehntausende von Mitochondrien. Das sind Organellen, die ein eigenes, sehr kleines Genom haben. Jedes Individuum hat ein für ihn charakteristisches mitochondriales Genom. Von entscheidender Bedeutung für dessen forensisch-analytische Nutzung ist die Tatsache, dass pro Zelle so viele Kopien vorhanden sind und dass die mitochondriale DNA offenbar besser gegenüber zersetzenden Einflüssen geschützt ist als die Kern-DNA: